130 Beats per minute

Der Boden zittert, die Luft vibriert, alle schwitzen, alle grinsen breit, es ist die friedlichste Art des Ausrastens. Wo sind wir denn hier gelandet? Techno lebt vom Rhythmus. Der ist zwar denkbar einfach, aber auch mitreißend. Seit ich das erste Mal ein richtig gutes Set live erlebt habe, bin ich angefixt. Dazu braucht man keine Drogen, man tanzt sich einfach in Trance.

Letztes Jahr im Sommer hatte ich mein bisher schönstes Rave-Erlebnis: Ich war auf dem Rückweg vom Urlaub in Rügen mit meinem Vater. In Leipzig wollten wir einen Zwischenstopp machen. Weil an dem Abend Rooftop Party war, gingen wir erst da hin, danach in einen echt peinlichen Mainstream Club, der wie eine Dorfdisco in der Stadt rüberkam.

Ich fragte ganz frech die Türsteher, wo es bessere Musik gäbe. “Dann musst du in die Destillery”, meinten die. Also verschwand mein Papa ins Bett und ich stieg ins Taxi, um zu dem Club zu fahren. Als ich dort vorfuhr, sah ich mindestens 150 Leute vorm Eingang anstehen. Mist.

Ich ging also an allen vorbei ganz nach hinten und laberte den ersten Typen an, der dort stand. “Jungs, ich will tanzen, was meint ihr, wie lange dauert das mit der Schlange?” “Schon so zwei Stunden, denke ich, aber komm mit, vorne stehen meine Leute.”

So übersprang ich einfach fast die ganze Schlange, zeigte meinen Corona-Test, und ging rein. Long Story short, ich kam erst morgens aus dem Schuppen raus. Es war halb 7 und die Straßen waren leer. Es war kühl und irgendwie gespenstisch, ja und ich war erschöpft und müde. Aber ich war glücklich.

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